Welches Format passt zu welchem Serious Game?

Die Auswahl an Gameplay für Serious Games ist vielfältig. Welches Gameplay das richtige für Ihr Thema ist, ist immer eine individuelle Abschätzung. Jedes Format hat seine Stärken und jedes kann scheitern, wenn es für das falsche Lernziel eingesetzt wird. Als Leitfaden zeigen wir im Folgenden fünf gängige Formate: Rollenspiel, Escape Games, VR-Simulationen, Planspiele und Point-and-Click-Adventures. Dabei möchten wir insbesondere einen Einblick geben, für welche Lernziele und Inhalte sich die Formate am besten eignen.

Rollenspiele: Interaktiv Entscheidungen trainieren

Inhalte, bei denen Entscheidungen und deren Konsequenzen im Vordergrund stehen, profitieren oft von Rollenspielen und Branching Scenarios. Dabei übernehmen Lernende eine Rolle, treffen Entscheidungen und erleben deren Konsequenzen unmittelbar. Das kann beispielsweise simulierte Gespräche, Konfliktsituationen oder ethische Dilemmata beinhalten. Das Format nutzt zwei lernpsychologisch wirksame Mechanismen: Perspektivwechsel und emotionale Beteiligung.

Damit eignen sich Rollenspiele für das Training von Problemlösungskompetenz in vielfältigen Bereichen.  Sie sind beispielsweise ideal für Führungskräfteentwicklung, Vertrieb, Kundenkommunikation, Compliance-Szenarien und ethische Werteentwicklung. Denn wer ein schwieriges Mitarbeitergespräch oder einen Kundeneinwand virtuell durchgespielt hat, kann in der realen Situation sicherer und reflektierter agieren.

Escape Rooms: Zusammenhänge unter Zeitdruck anwenden

Kritische Situationen erfordern oft schnelle Entscheidungen. Genau diesen Handlungsdruck bildet das Escape Game nach, in dem Lernende allein oder im Team Rätsel lösen, Hinweise kombinieren und damit ein Ziel erreichen müssen. Bei Escape Games gibt es also immer auch die Möglichkeit zu scheitern, wenn die Zeit abläuft. Damit kann dieses Format besonders auf die Problemlösung in stressigen Situationen mit Handlungsdringlichkeit vorbereiten. Besonders wirkungsvoll sind Escape Rooms dort, wo unter realen Bedingungen Zusammenhänge verstanden und angewendet werden sollen.

Typische Praxisbeispiele umfassen Onboarding-Prozesse, Prozesswissen, Qualitätsmanagement, Cybersecurity-Awareness und Teambuilding-Angebote mit Lerneffekt. Beispielsweise können Mitarbeitende in einem digitalen Escape Game einen simulierten Cyberangriff abwehren und dabei lernen, Phishing-Muster zu erkennen, sichere Passwortregeln anzuwenden und Meldepflichten einzuhalten.

Serious Escape Games sind im Trend. In einem kommenden Insight-Artikel zu Serious Escape Games beleuchten wir die Vor- und Nachteile dieses Formats und wie sie konkret funktionieren.

Frau mit VR-Brille

VR-Simulationen: Realitätsnahes Training ohne Gefahr

Vor allem für Schulungen, die in der Realität teuer oder gefährlich sind, können sich VR-Simulationen eignen. Dabei werden Lernende mithilfe eines VR-Headsets in eine vollständig virtuelle, realitätsnahe Situation versetzt. Der entscheidende Lernvorteil ist dabei, dass Fehler ohne reale Konsequenzen gemacht werden können. Die Situation ist realitätsnah, doch durch Fehlverhalten oder Fehlentscheidungen in der virtuellen Umgebung entstehen keine Kosten oder reale Gefahrensituationen. Dadurch kann die Situation beliebig oft wiederholt werden, bis das richtige Handeln zur Routine wird.

Typischerweise sind VR-Simulationen ideal für Arbeitssicherheitsschulungen, technische Einweisungen, medizinische und pflegerische Abläufe, Brandschutzübungen und Soft-Skill-Training unter realistischem Druck.

Planspiele:  Vernetztes, systemisches Denken trainieren

Um vernetztes, systemisches Denken zu trainieren, eignen sich oft Planspiele, in denen Lernende komplexe Systeme steuern und strategische Entscheidungen treffen. Dabei können sie beobachten, wie sich ihre Handlungen über mehrere Runden auswirken. Als typisches Praxisbeispiel ist ein Szenario denkbar, in dem Führungskräfte gemeinsam ein fiktives Unternehmen durch eine Marktkrise navigieren und die Konsequenzen ihrer Entscheidungen unmittelbar erleben. Ähnlich wie beim Rollenspiel gilt auch hier: Wer eine Situation in einem Planspiel gemeistert hat, kann im realen Anwendungsfall sicherer und reflektierter agieren.

Dieses Format eignet sich besonders für Führungskräfteentwicklung, Strategie, Change Management und bereichsübergreifendes Denken.

Point-and-Click-Adventures: Narrative Immersion

Um komplexe Inhalte in einem narrativen Rahmen zugänglich zu machen, eignen sich häufig Point-and-Click-Adventures. In einem Point-and-Click-Adventure erkunden Lernende eine virtuelle Welt, indem sie auf Objekte klicken, Hinweise sammeln und Rätsel lösen. Dieses Format hat eine sehr niedrige Einstiegshürde, denn es benötigt kein zusätzliches Equipment wie beispielsweise VR-Brillen und es bedient sich einfacher Gameplay-Elemente mit einer klaren, narrativen Führung. Da die Welt mit beliebig vielen Elementen ausgestattet werden kann, mit denen interagiert werden kann, können Inhalte mit hoher Informationsdichte in diesem Format gut dargestellt werden.

Beispielsweise kann eine Datenschutzschulung als Point-and-Click-Adventure eine Detektivgeschichte verwenden, in der ein DSGVO-Verstoß aufgeklärt wird. Damit eignet sich das Format ideal für Compliance- und Datenschutzschulungen, Produktschulungen, Unternehmensgeschichte und allgemein Wissenstransfer mit hoher Informationsdichte.

Die Entscheidung, welches Format passend für Ihr Serious-Game-Projekt ist, hängt also maßgeblich von Lernziel, Zielgruppe und technischer Infrastruktur ab. Oft ist das passende Gameplay ein Mix aus mehreren Formaten. Einzelne Spielmechaniken schließen sich nicht aus, richtig umgesetzt ergänzen sie sich.

Was macht eine gute Umsetzung aus?

Wichtig bei der Erstellung eines Serious Games ist: Die Spielmechanik ist kein Selbstzweck. Der Lernerfolg steht bei Game-based-Learning-Anwendungen im Fokus, daher muss das didaktische Design dem Lernziel dienen. Denn wird der Lerntransfer zugunsten des Spielspaßes vernachlässigt, handelt es sich um Unterhaltung. Lerninhalt ohne Spiellogik ist jedoch nur ein digitales Arbeitsblatt. Die Kunst ist es, eine Balance zwischen Lerntransfer und Spielspaß zu erreichen. Das Format soll fesselnd sein und Spaß machen, aber auch so präzise gebaut sein, dass die Lernziele zuverlässig erreicht werden. Gute Serious Games brauchen daher eine saubere Lernzieldefinition, durchdachte Feedback-Schleifen und wo immer möglich eine Brücke zurück in den Arbeitsalltag.

Wenn Sie sich dafür interessieren, wie wir erfolgreiche Serious Games erstellen, beschreiben wir in unserem Insight-Artikel zu der Entwicklung wirkungsvoller Serious Games, wie didaktisches Design und Spielmechanik in der Praxis zusammenkommen.

Angela-Projektleitung als Comic Figur- klein

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Angela Hoyer – Projektleitung E-Learning